KLEINES GLOSSAR ZUR WARENLEHRE

   

 

 
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Zur biologischen Bedeutung von Ware und Wirtschaft:

In ökologischer Sicht ist alles menschliche Wirtschaften fundamental eine Erweiterung des menschlichen Stoffwechsels: Die biologische Leistung und kulturelle Aufgabe der Wirtschaft ist die Erhaltung und Verbesserung der Qualität menschlichen Lebens.
Das ist das Sachziel der Wirtschaft; daran zu "verdienen" ein Formalziel.

Im Mittelpunkt der Wirtschaft steht der Mensch, Wirtschaft geschieht durch ihn und für ihn. Der Mensch ist das Wirtschaftssubjekt, die Ware ist das Wirtschaftsobjekt.

Auf Grund seiner biologischen Voraussetzungen ist der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen. Damit ist er ein Teil der menschlichen Gesellschaft. Die Gesellschaft ist ein Teil der Biosphäre. Die Biosphäre ist der belebte Bereich der Natur.

Nicht immer entspricht die Beschaffenheit der Natur, das vorgegebene Ökosystem wie es der Mensch vorfindet, den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Deshalb greift der Mensch als vernunftbegabtes Lebewesen aktiv in seine Umwelt ein. 
Im Zusammenwirken der Menschen wird somit als Leistung der Gesellschaft eine "humanisierte Natur" geschaffen, die den Bedürfnissen des Menschen entspricht.

In der Wechselwirkung des "ökologischen Gefüges " Mensch-Umwelt sind die "Waren" die Mittel zur Existenzsicherung für den Menschen. Planmäßig selektives Vorgehen ist der Inhalt des Wirtschaftens, zielstrebig konstruktive Umgestaltung die Technik.

Ware - als Oberbegriff - umfasst all das, was 
... aus der Sicht der Mikroökonomie

als Produkt, Erzeugnis, (verpackter) Artikel, Versorgungsartikel, Handelsartikel, Handelsware, Handelsgut, Konsumgut
... aus der Sicht der Makroökonomie 
als Leistungen bzw. Leistungsträger, und zwar als Sachgüter (wenn sie gespeichert werden können) und als Dienstleistungen (wenn die Leistungen nicht speicherbar sind)
... aus der Sicht der Technologie
als Sachsystem, Artefakt, Gerät, Apparat, Maschine, Maschinerie, neuerdings als Hardware, Software ... usw.
... aus der Sicht der Rechtslehre 
als Gegenstand (Sache) des Handelsverkehrs bezeichnet wird. (Sache ist alles was von einer "Person" verschieden ist.)

"Eine Ware erscheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, dass es ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken" (Karl Marx).

>> Semiologie der Ware

Biologisch-ökologischer Aspekt: Ware = Mittel zur Lebenserhaltung u. Lebensqualität
Sozialer Aspekt: Güter und Dienstleistungen = Mittel zur Wohlfahrtslage
Ökonomischer Aspekt: Produkte = Mittel zur Bedarfsdeckung

Literatur: 
Einführung in die Warenlehre. (Hrsg.: Astrid und Richard  Kiridus-Göller)
Schriftenreihe zur Lehrerfortbildung im berufsbildenden Schulwesen. Heft 119 
WIen (PIB) 1990 

Zur wissenschaftstheoretischen Positionierung
und der Unterscheidung von Wissenschaft und Lehre
siehe FORUM WARE 27 (1999) 1-4, S. 136-138
(Auszug
am unteren Ende dieser Website).

 

 



























































































































































































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Kategorie "Ware":
Die Ware ist Oberbegriff, als allgemeinste Bestimmungsweise oder Seinsbereich. -
Ganz allgemein sind Kategoriebildungen "horizontale Zusammenfassungen".

Kategorien sind Klassifikationsbegriffe
zur Erstellung von Ober- und Unterbegriffen :
Abteilung, Unterabteilung, Klasse , Ordnung, Familie, Gattung, Art.

Kategorien der Nützlichkeit
stehen außerhalb der Klassifikation: 
z.B. Heilpflanze, Gewürzkraut, Unkraut ...

Warenkategorien stehen niemals für sich allein, sondern bilden bestimmte Begriffssysteme:  insgesamt als der "Waren-Thesaurus".


Klassifikation "Ware":

Waren-Klassifikationssysteme
haben die Aufgabe, Warenarten oder Warengattungen zusammenzufassen.
In einem Klassifikationssystem wäre die Zigarette als "Warenart" einzustufen, die der "Warengattung" Tabakwaren unterzuordnen ist. Die Tabakwaren wieder bilden mit anderen Warengattungen zusammen die "Warenuntergruppe" : Waren zur Ernährung oder zum Genuss durch den Menschen.

Die biologischen Klassifikationssysteme sind international aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse wertungsfrei vereinbart.

Anders sind die auf Zwecke ausgerichtete Bedeutungsgrade (z.B. die Buche als Holz: Baustoff, Brennstoff, Chemierohstoff) von Interessen abhängige Wertungssysteme.

Die Warenklassifikation oder Warensystematik befindet sich daher in einer schwierigeren Lage als die Systematik der Naturwissenschaften.
Es sind daher Begriffsnormen (ISO, DIN, ÖNORM ...) eingeführt worden.

Markenwaren
sind standardisierbare Erzeugnisse:  i.d.R. als Warenzeichen eingetragene Marken.
Marken sind auf einer Ware angebrachte Zeichen (frz. marque :  „Marke“) = Beziehung zwischen einer Idee und einem Problem (seiner Lösung),Träger der Botschaft : die Verpackung (als Werbeträger). 
  
Beispiel: Coca Cola löscht den Durst, belebt, erfrischt, vermittelt ein Lebensgefühl.
Biologisch: Bedürfnisbefriedigung (needs) =„Was man braucht“ = Gebrauchswert.
Kulturell: Wünschenswertes (wants) = „Was man sich wünscht“ = Beziehungen.
 
Der Tauschwert von Marken ist deren „semantischer Mehrwert“ (Zugewinn; Bedeutungslehre = Semantik) - allgemein: Mehrung des Erlebens (Tauschwerte sind Warenmerkmale, die  über ihren reinen Gebrauchswert auf Märkten von Bedeutung sind.) 

Waren können in die Interessenssphäre eintreten oder sie wieder verlassen.
Potenzielle Waren sind solche, die durch die Zwecksetzung zu Waren werden:
z.B. Bäume, sobald sie gefällt werden; Erze, sobald sie abgebaut werden; Quellwasser, das vermarktet wird ...
Latente Waren haben ihren Warencharakter eingebüßt, können ihn aber wieder erlangen: Lagerbestände, Gebraucht- und Altwaren, Abfälle als Rohstoffe ...

                                                    * * *

Ein Klassiker der Fachliteratur ist
Prof.Dr.-Ing.habil. Artur Kutzelnigg:
   Die Zigarette als Modellfall der Wirtschaftlichen Warenlehre.
   Frankfurt am Main (Franz Nowack Verlag) 1962
   Terminologie der Warenkategorien.
   Frankfurt am Main (Franz Nowack Verlag) 1965

"Die Wirtschaftliche Warenlehre befasst sich mit den Naturprodukten und den technischen Erzeugnissen, die als Waren Bedürfnisse befriedigen, und behandelt sie auf naturwissenschaftlicher Grundlage, aber von wirtschaftlichen Gesichtspunkten und besonders vom Standpunkt des Verbrauchers aus.
  Als Definition der Ware soll gelten:
Waren sind in der Natur in begrenzter Menge vorhandene oder vom Menschen technisch gefertigte, bewegliche, wirtschaftliche Güter, die zur Befriedigung von Bedürfnissen dienen. Sie besitzen Tauschwert und sind Gegenstand des Handels oder kommen dafür in Betracht." (A.Kutzelnigg 1962, S.9).

Handelsbetriebe sind Warenwirtschaftsbetriebe.
 Wesentlich ist,
 dass die Wirtschaftliche Warenlehre (synonym: Warenwirtschaftslehre)
 ein Sondergebiet der Wirtschaftswissenschaften ist:

"So wie z.B. Zweck und Funktionsweise zum Verständnis einer Ware unerläßlich sind, gilt dies auch für die Kenntnis der grundlegenden naturwissenschaftlichen und technischen Tatbestände. Es soll aber ausdrücklich betont werden, daß die Wirtschaftliche Warenlehre sich von der Warenkunde technologischer Richtung dadurch unterscheidet, daß sie nicht wie diese die Technologie in den Vordergrund stellt, sondern sich ihrer nur bedient, wie andere Hilfswissenschaften auch"
(Ders., 1962, S.28).

"Die überaus reich beschickte Waren-Palette unserer Zeit schließt eine systematische Behandlung der einzelnen Waren aus. An ihre Stelle tritt die Allgemeine Warenlehre, die als Theorie ermöglichen soll, eine Fülle von Einzeltatsachen zu ordnen, zu verstehen und zu beherrschen"
(Ders., 1962, S.63).

   Bemerkenswert ist, dass keine Allgemeine Warenlehre als Buchliteratur existiert
      (was zu Verwechslungen mit der Wirtschaftlichen Warenlehre beträgt).


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Der vernetzte Charakter von Ware
Allgemeine Warenlehre - Symposion Salzburg 1999

These 1: Was ist "Ware" ?

* Mittel zur Bedürfnisbefriedigung -  die durch Arbeit/Technik verfügbar werden
(Bedürfnis= Ist-Soll-Wert-Spannung: physiologisch / psychologische Bedeutung).
           
Waren 1.Ordnung: Lebensmittel (Nahrungs-, Genussmittel...) - werden verbraucht; in ökologischer Erweiterung des Stoffwechsels: auch Energie- und Rohstoffquellen.
            Waren 2.Ordnung: Mittel zum Leben - werden gebraucht  (Geräte, Vorrichtungen, Maschinen ... mit zunehmendem Informationsgehalt)
* Gegenstand des Handels - durch Leistungstausch
(Arbeitsteilung u. Arbeitsverbindung: soziobiologische / soziokulturelle Bedeutung) Waren als Produkte (Massenartikel, Marken) von geplanter Qualität mit Grund- und Zusatznutzen (="semantischer Mehrwert")
* Gegenbegriff zu Geld - durch Kauf und Verkauf
(hat allgemein semiotische Bedeutung.- Semiotik = Zeichenlehre)
Wiewohl Geld in Form der Geld- und Kapitalmärkte selbst zum Marktobjekt geworden ist, gibt es "Geld an sich" nicht und es arbeitet auch nicht, sondern ist Zeichen für anderswo vorhandene Werte.

These 2: "Ware" ist ein Oberbegriff für deren gesamtökonomische Realität

Das ökonomische Geschehen ist kein rein innergesellschaftliches Phänomen und beruht auf drei Sphären: die mikroökonomische, die makroökonomische und die ökologische. Die den mikroökonomischen Denkmustern folgende zeitgeistige Behauptung "was nicht Marktwert hat, hat keinen Wert" übersieht etliche dem Markt zugrundeliegenden Voraussetzungen. Marktgesetze sind Machtgesetze und stehen in kritischem Verhältnis zur Kostenwahrheit sowohl in makroökonomischer wie in ökologischer Hinsicht. "Ware" ist mehr als nur Produkt. Im Sinne von "Sustainability" mit dem System statt vom System zu leben verlangt die ganzheitliche Sicht der Ware. Der Lebenslauf der Ware durchläuft alle Schichten der ökonomischen Realität. Prinzipiell gäbe es ebenso viele mögliche Wirtschaftsformen wie wir uns vorstellen können.

These 3: Waren "an sich" gibt es nicht ("Ohne Leben ist alles nichts")

Waren "an sich" gibt es ohne die Funktionsweise von Menschengehirnen nicht: Sie sind erst (als Mentifakte bzw. Artefakte) durch die ins Bewusstsein gelangten technisch-ökonomischen Grundleistungen des Lebens. (Technik und Ökonomik sind mit dem Leben wesensverwandt). Die Auffassung der Ware als raum-zeitlich bewegliche Sache hat unsere analytische Denkweise zur Grundlage. Doch die Realität ist nicht lokal. Unsere Sinnesfenster richten sich nur auf Ausschnitte der realen Welt. Die Ergebnisse sind "mesokosmisch", sie betreffen nur die Welt der mittleren Dimensionen. Der unserer eigenen Existenz zugrundeliegende Mikrokosmos wie der rahmenbildende Makrokosmos entziehen sich unserer Alltagserfahrung. Wir leben in zwei Welten: Erleben und Leben sind nicht identisch. Die Gesellschaft befindet sich in einer biologischen "Sandwich-Position" zwischen Physiologie und Ökologie.

These 4: Lebenswissenschaftliche Orientierung

Die Ökonomie ist ein Wesenszug des Lebendigen und damit von Evolution. Der Wesenszug der Evolution ist das beständige Wachstum auf der Basis von Information. Die Ökonomie verhält sich zur Biologie wie "nomos" zu "logos", wie Macht zur Wahrheit, wie Anwendung zu (Natur-)gesetz: wahr ist, was überlebt. Das a priori des Lebens ist die Logik seiner Existenz. Das Leben lebt nicht, sondern lebende Systeme leben. Das Leben ist die Einheit von Lebewesen und deren existenzbestimmenden Umweltfaktoren. Die Beziehungen des Organismus zu seinen Existenzbedingungen ist die Fragestellung der Ökologie. Die ökologischen Beziehungen des Menschen sind warenförmig (Waren sind technisch-ökonomische Knotenpunkte zur Umwelt). Warenlehre ist somit angewandte Biologie.

These 5: Ware in Wissenschaft und Forschung

Jede Lehre hat eine Wissenschaft zur Grundlage - sonst wird sie Ideologie. Genau genommen gibt es keine angewandte Wissenschaft, sondern nur angewandtes Wissen und dieses bezeichnen wir korrekterweise als Lehre. Das wissenschaftliche Bemühen richtet sich auf das Erklären und Verstehen (Orientierungswissen), Forschung und Entwicklung suchen nach verwertbarem Wissen (Verfügungswissen).
           Über detaillierte Warenkenntnisse verfügen angesichts der Vielfalt nur noch Experten.- Hätten vergleichsweise Botaniker und Zoologen angesichts der Formenfülle kapituliert, wäre nie eine Wissenschaft wie die Biologie entstanden. Die Grundlage dafür war die Theoriebildung. Die allgemeine Systemtheorie hat ihre Wurzeln in der theoretischen Biologie
            Wir können die Ware als Phänomen des Lebens und Erlebens begreifen:
* Warenwirtschaftslehre und Warenverkaufskunde gehören dem mikroökonomischen Interesse an und beruhen insbesondere auf dem Expertenwissen, das mit dem Aufschwung der subjektiven Wertlehre und der Mikroökonomie einherging.
* Die Warenkunde wurzelt in der Tradition der noch nicht naturvergessenen ökonomischen Theorien, welche der Mikroökonomie vorausgingen. Sie steht deshalb  der Makroökonomie näher (und war im staatswirtschaftlichen Interesse attraktiv). Warenkunde und Technologie folgten Anwendungen aus der Naturgeschichte.
* Die Warenlehre ist eine Weiterentwicklung aus der Warenkunde. Die Fortschritte der Warenlehre beruhen auf dem Wandel der Naturgeschichte zur Biologie und Ökologie (dem trägt die Bezeichnung des Gegenstands "Biologie-Ökologie-Warenlehre" Rechnung). Die internationale Entwicklung weist in Richtung Bioökonomie (Siehe: Journal of Bioeconomics, Hrsg.: International Society for Bioeconomics und die Publikationen der European Association for Bioeconomic Studies).
* Warenwissenschaft (und deren Didaktik als allgemeine Warenlehre)
ist ein Generalismus. Die Einheit des Wissens ("Consilience") setzt die Überwindung der Spaltung des Weltbildes in Geistes- und Naturwissenschaften voraus. Im Konzept der Ökologie ist die Verbindung möglich. Humanökologie und Sozialökologie haben wegen des biokulturellen Zusammenhangs einander zu ergänzen und sollten in warenwissenschaftlicher Orientierung zueinander komplementär sein. Auch wenn die Warenwissenschaft mehr Erkenntnisse als Erträge hervorbringt, hätte die Bildungspolitik guten Grund die Warenwissenschaft zu fördern. Denn: die Abwendung von Natur und Kultur ist die Quelle der Armut
* Theorie der Warenwissenschaft (allg. Systemtheorie der Ware)
betrifft die wissenschaftstheoretische Positionierung der Warenwissenschaft im Kanon der Wissenschaften. Das Interesse an Erkenntnissen und nicht nur Erträgen setzt die akademische Befreiung von ideologischen Zwängen voraus.

    Anhang zur wissenschaftstheoretischen Positionierung:

   
THEORIE - Ontologie
                  allgemein gültige Aussagen, z.B. Systemtheorie
   WISSENSCHAFT - Epistemologie
                   (Logos im Sinn qualitativer Erkenntnis, Verstehen, Einsicht, Wahrheit)
                   z.B.: Wissenschaft vom Lebendigen: Biologie ...Ökologie ...Technologie
   LEHRE - Methodologie
              (Anwendungswissen, Können mit Betonung auf Machbarkeit bzw. Macht)
              Methodik - z.B. Lehre vom Leben : Bio nik   ...Tech nik
                                   Lehre vom Wirtschaften : Öko nomik
              Praxis - z.B. Lehre von den Lebensweisen : Bio nomie
                               Lehre von den Wirtschaftsweisen : Öko nomie
   KUNDE - Semiotik
               Zeichen- und Begriffsbildung für konkrete Erscheinungsformen
               (Strukturen, Bezeichnungen, Faktenwissen)
               Naturalien und Artefakte :  Naturkunde, Warenkunde


Literatur:
Der vernetzte Charakter von Ware.  1. österreichisch-deutsches Warenlehre-Symposion.- In: FORUM WARE 27 (1999) 1-4, S. 136-138
(Referent R. Kiridus-Göller)