| |
» Symposien
» Wissenschaft & Lehre
« Grundbegriffe
» Theorie
» Glossar
» Semiologie
» Technologie
»
Bioökonomie
»
Didaktik
» Galerie
» Laudatio
WIKIPEDIA
» Literatur
» Impressum
|
Zur biologischen Bedeutung von Ware und Wirtschaft:
In ökologischer Sicht ist alles menschliche Wirtschaften fundamental eine
Erweiterung des menschlichen Stoffwechsels:
Die biologische Leistung und kulturelle Aufgabe der Wirtschaft ist die Erhaltung
und Verbesserung der Qualität menschlichen Lebens.
Das ist das Sachziel der Wirtschaft; daran zu "verdienen" ein Formalziel.
Im Mittelpunkt der Wirtschaft steht der Mensch, Wirtschaft geschieht durch ihn
und für ihn. Der Mensch ist das Wirtschaftssubjekt, die Ware ist das Wirtschaftsobjekt.
Auf Grund seiner biologischen Voraussetzungen ist der Mensch von Natur aus ein
soziales Wesen. Damit ist er ein Teil der menschlichen Gesellschaft. Die
Gesellschaft ist ein Teil der Biosphäre. Die Biosphäre ist der belebte Bereich
der Natur.
Nicht immer entspricht die Beschaffenheit der Natur, das vorgegebene Ökosystem
wie es der Mensch vorfindet, den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Deshalb
greift der Mensch als vernunftbegabtes Lebewesen aktiv in seine Umwelt
ein.
Im Zusammenwirken der Menschen wird somit als Leistung der Gesellschaft eine
"humanisierte Natur" geschaffen, die den Bedürfnissen des Menschen
entspricht.
In der Wechselwirkung des "ökologischen Gefüges " Mensch-Umwelt sind
die "Waren" die Mittel zur Existenzsicherung für den Menschen.
Planmäßig selektives Vorgehen ist der Inhalt des Wirtschaftens, zielstrebig
konstruktive Umgestaltung die Technik.
Ware - als Oberbegriff - umfasst all das, was
... aus der Sicht der Mikroökonomie
als Produkt, Erzeugnis, (verpackter) Artikel, Versorgungsartikel,
Handelsartikel, Handelsware, Handelsgut, Konsumgut
... aus der Sicht der Makroökonomie
als Leistungen bzw. Leistungsträger, und zwar als Sachgüter (wenn sie
gespeichert werden können) und als Dienstleistungen (wenn die Leistungen nicht
speicherbar sind)
... aus der Sicht der Technologie
als Sachsystem, Artefakt, Gerät, Apparat, Maschine, Maschinerie, neuerdings als
Hardware, Software ... usw.
... aus der Sicht der Rechtslehre
als Gegenstand (Sache) des Handelsverkehrs bezeichnet wird. (Sache ist alles was
von einer "Person" verschieden ist.)
"Eine Ware erscheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches,
triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, dass es ein sehr vertracktes Ding
ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken"
(Karl Marx).
>>
Semiologie der Ware
Biologisch-ökologischer Aspekt: Ware = Mittel zur Lebenserhaltung u.
Lebensqualität
Sozialer Aspekt: Güter und Dienstleistungen = Mittel zur Wohlfahrtslage
Ökonomischer Aspekt: Produkte = Mittel zur Bedarfsdeckung
Literatur:
Einführung in die Warenlehre. (Hrsg.: Astrid und Richard Kiridus-Göller)
Schriftenreihe zur Lehrerfortbildung im berufsbildenden Schulwesen. Heft
119
WIen (PIB) 1990
Zur wissenschaftstheoretischen Positionierung
und der Unterscheidung von Wissenschaft und Lehre
siehe
FORUM WARE 27 (1999) 1-4, S. 136-138
(Auszug am unteren Ende dieser Website).
|
| |
Startseite
Home
|
Kategorie "Ware":
Die Ware ist Oberbegriff, als allgemeinste Bestimmungsweise oder Seinsbereich. -
Ganz allgemein sind Kategoriebildungen "horizontale
Zusammenfassungen".
Kategorien
sind Klassifikationsbegriffe
zur Erstellung von Ober- und Unterbegriffen :
Abteilung, Unterabteilung, Klasse , Ordnung, Familie, Gattung, Art.
Kategorien der Nützlichkeit
stehen außerhalb der Klassifikation:
z.B. Heilpflanze, Gewürzkraut, Unkraut
...
Warenkategorien stehen niemals für sich allein, sondern bilden bestimmte
Begriffssysteme: insgesamt als der "Waren-Thesaurus".
Klassifikation "Ware":
Waren-Klassifikationssysteme
haben die Aufgabe, Warenarten oder Warengattungen zusammenzufassen.
In einem Klassifikationssystem wäre die Zigarette als "Warenart"
einzustufen, die der "Warengattung" Tabakwaren unterzuordnen ist. Die
Tabakwaren wieder bilden mit anderen Warengattungen zusammen die
"Warenuntergruppe" : Waren zur Ernährung oder zum Genuss durch den
Menschen.
Die biologischen Klassifikationssysteme sind international aufgrund
wissenschaftlicher Erkenntnisse wertungsfrei vereinbart.
Anders sind die auf Zwecke ausgerichtete Bedeutungsgrade (z.B. die Buche als
Holz: Baustoff, Brennstoff, Chemierohstoff) von Interessen abhängige
Wertungssysteme.
Die Warenklassifikation oder Warensystematik befindet sich daher in einer
schwierigeren Lage als die Systematik der Naturwissenschaften.
Es sind daher Begriffsnormen (ISO, DIN, ÖNORM ...) eingeführt worden.
Markenwaren
sind standardisierbare
Erzeugnisse: i.d.R.
als Warenzeichen eingetragene Marken.
Marken
sind auf
einer Ware angebrachte Zeichen (frz. marque : „Marke“) =
Beziehung zwischen einer Idee und einem Problem (seiner Lösung),Träger der
Botschaft : die Verpackung (als Werbeträger).
Beispiel:
Coca Cola
löscht den Durst, belebt, erfrischt, vermittelt ein Lebensgefühl.
Biologisch: Bedürfnisbefriedigung (needs) =„Was man braucht“ =
Gebrauchswert.
Kulturell: Wünschenswertes (wants) = „Was man sich wünscht“ =
Beziehungen.
Der
Tauschwert von Marken ist deren „semantischer Mehrwert“
(Zugewinn; Bedeutungslehre = Semantik) - allgemein:
Mehrung des Erlebens (Tauschwerte sind Warenmerkmale, die über ihren
reinen Gebrauchswert auf Märkten von Bedeutung sind.)
Waren können in die Interessenssphäre eintreten oder sie wieder verlassen.
Potenzielle Waren sind solche, die durch die Zwecksetzung zu Waren
werden:
z.B. Bäume, sobald sie gefällt werden; Erze, sobald sie abgebaut werden;
Quellwasser, das vermarktet wird ...
Latente Waren haben ihren Warencharakter eingebüßt, können ihn aber
wieder erlangen: Lagerbestände, Gebraucht- und Altwaren, Abfälle als Rohstoffe
...
* * *
Ein Klassiker der Fachliteratur ist
Prof.Dr.-Ing.habil. Artur Kutzelnigg:
Die Zigarette als Modellfall der Wirtschaftlichen Warenlehre.
Frankfurt am Main (Franz Nowack Verlag) 1962
Terminologie der Warenkategorien.
Frankfurt am Main (Franz Nowack Verlag) 1965
"Die Wirtschaftliche Warenlehre befasst sich mit den Naturprodukten und
den technischen Erzeugnissen, die als Waren Bedürfnisse befriedigen, und
behandelt sie auf naturwissenschaftlicher Grundlage, aber von wirtschaftlichen
Gesichtspunkten und besonders vom Standpunkt des Verbrauchers aus.
Als Definition der Ware soll gelten:
Waren sind in der Natur in begrenzter Menge vorhandene oder vom Menschen
technisch gefertigte, bewegliche, wirtschaftliche Güter, die zur Befriedigung
von Bedürfnissen dienen. Sie besitzen Tauschwert und sind Gegenstand des Handels
oder kommen dafür in Betracht." (A.Kutzelnigg 1962, S.9).
Handelsbetriebe sind Warenwirtschaftsbetriebe.
Wesentlich ist,
dass die Wirtschaftliche Warenlehre (synonym: Warenwirtschaftslehre)
ein Sondergebiet der Wirtschaftswissenschaften ist:
"So wie z.B. Zweck und Funktionsweise zum Verständnis einer Ware unerläßlich
sind, gilt dies auch für die Kenntnis der grundlegenden naturwissenschaftlichen
und technischen Tatbestände. Es soll aber ausdrücklich betont werden, daß die
Wirtschaftliche Warenlehre sich von der Warenkunde technologischer Richtung
dadurch unterscheidet, daß sie nicht wie diese die Technologie in den
Vordergrund stellt, sondern sich ihrer nur bedient, wie andere
Hilfswissenschaften auch"
(Ders., 1962, S.28).
"Die überaus reich beschickte Waren-Palette unserer Zeit schließt eine
systematische Behandlung der einzelnen Waren aus. An ihre Stelle tritt die
Allgemeine Warenlehre, die als Theorie ermöglichen soll, eine Fülle von
Einzeltatsachen zu ordnen, zu verstehen und zu beherrschen"
(Ders., 1962, S.63).
Bemerkenswert ist, dass keine Allgemeine Warenlehre
als
Buchliteratur existiert
(was zu Verwechslungen mit der Wirtschaftlichen
Warenlehre beträgt).
_______________________________________________________________________
Der
vernetzte Charakter von Ware
Allgemeine Warenlehre - Symposion Salzburg
1999
These
1: Was
ist "Ware" ?
* Mittel
zur Bedürfnisbefriedigung -
die durch Arbeit/Technik verfügbar werden
(Bedürfnis= Ist-Soll-Wert-Spannung: physiologisch / psychologische Bedeutung).
Waren
1.Ordnung: Lebensmittel (Nahrungs-, Genussmittel...) - werden verbraucht;
in ökologischer Erweiterung des Stoffwechsels: auch Energie- und
Rohstoffquellen.
Waren 2.Ordnung: Mittel zum Leben - werden gebraucht
(Geräte, Vorrichtungen, Maschinen ... mit zunehmendem
Informationsgehalt)
* Gegenstand
des Handels - durch Leistungstausch
(Arbeitsteilung u. Arbeitsverbindung: soziobiologische / soziokulturelle
Bedeutung) Waren als Produkte (Massenartikel, Marken) von geplanter Qualität
mit Grund- und Zusatznutzen (="semantischer Mehrwert")
* Gegenbegriff
zu Geld - durch Kauf und Verkauf
(hat allgemein semiotische Bedeutung.- Semiotik = Zeichenlehre)
Wiewohl Geld in Form der Geld- und Kapitalmärkte selbst zum Marktobjekt
geworden ist, gibt es "Geld an sich" nicht und es arbeitet auch nicht,
sondern ist Zeichen für anderswo vorhandene Werte.
These
2: "Ware"
ist ein Oberbegriff für deren gesamtökonomische Realität
Das ökonomische Geschehen ist kein rein innergesellschaftliches Phänomen und
beruht auf drei Sphären: die mikroökonomische, die makroökonomische und die
ökologische. Die den mikroökonomischen Denkmustern folgende zeitgeistige
Behauptung "was nicht Marktwert hat, hat keinen Wert" übersieht
etliche dem Markt zugrundeliegenden Voraussetzungen. Marktgesetze sind
Machtgesetze und stehen in kritischem Verhältnis zur Kostenwahrheit sowohl in
makroökonomischer wie in ökologischer Hinsicht. "Ware" ist mehr als
nur Produkt. Im Sinne von "Sustainability" mit dem System statt vom
System zu leben verlangt die ganzheitliche Sicht der Ware. Der Lebenslauf der
Ware durchläuft alle Schichten der ökonomischen Realität. Prinzipiell gäbe
es ebenso viele mögliche Wirtschaftsformen wie wir uns vorstellen können.
These
3: Waren
"an sich" gibt es nicht ("Ohne
Leben ist alles nichts")
Waren "an sich" gibt es ohne die Funktionsweise von
Menschengehirnen nicht: Sie sind erst (als Mentifakte bzw. Artefakte) durch die
ins Bewusstsein gelangten technisch-ökonomischen Grundleistungen des Lebens.
(Technik und Ökonomik sind mit dem Leben wesensverwandt). Die Auffassung der
Ware als raum-zeitlich bewegliche Sache hat unsere analytische Denkweise zur
Grundlage. Doch die Realität ist nicht lokal. Unsere Sinnesfenster richten sich
nur auf Ausschnitte der realen Welt. Die Ergebnisse sind "mesokosmisch",
sie betreffen nur die Welt der mittleren Dimensionen. Der unserer eigenen
Existenz zugrundeliegende Mikrokosmos wie der rahmenbildende Makrokosmos
entziehen sich unserer Alltagserfahrung. Wir leben in zwei Welten: Erleben und
Leben sind nicht identisch. Die Gesellschaft befindet sich in einer biologischen
"Sandwich-Position" zwischen Physiologie und Ökologie.
These 4:
Lebenswissenschaftliche Orientierung
Die Ökonomie ist ein Wesenszug des Lebendigen und damit von
Evolution. Der Wesenszug der Evolution ist das beständige Wachstum auf der
Basis von Information. Die Ökonomie verhält sich zur Biologie wie "nomos"
zu "logos", wie Macht zur Wahrheit, wie Anwendung zu (Natur-)gesetz:
wahr ist, was überlebt. Das a priori des Lebens ist die Logik seiner Existenz.
Das Leben lebt nicht, sondern lebende Systeme leben. Das Leben ist die Einheit
von Lebewesen und deren existenzbestimmenden Umweltfaktoren. Die Beziehungen des
Organismus zu seinen Existenzbedingungen ist die Fragestellung der Ökologie.
Die ökologischen Beziehungen des Menschen sind warenförmig (Waren sind
technisch-ökonomische Knotenpunkte zur Umwelt). Warenlehre ist somit angewandte
Biologie.
These
5: Ware
in Wissenschaft und Forschung
Jede Lehre hat eine Wissenschaft zur Grundlage - sonst wird sie
Ideologie. Genau genommen gibt es keine angewandte Wissenschaft, sondern nur
angewandtes Wissen und dieses bezeichnen wir korrekterweise als Lehre. Das
wissenschaftliche Bemühen richtet sich auf das Erklären und Verstehen
(Orientierungswissen), Forschung und Entwicklung suchen nach verwertbarem Wissen
(Verfügungswissen).
Über detaillierte Warenkenntnisse verfügen angesichts der Vielfalt nur
noch Experten.- Hätten vergleichsweise Botaniker und Zoologen angesichts der
Formenfülle kapituliert, wäre nie eine Wissenschaft wie die Biologie
entstanden. Die Grundlage dafür war die Theoriebildung. Die allgemeine
Systemtheorie hat ihre Wurzeln in der theoretischen Biologie
Wir können die Ware als Phänomen des Lebens und Erlebens begreifen:
* Warenwirtschaftslehre
und Warenverkaufskunde gehören dem mikroökonomischen Interesse
an und beruhen insbesondere auf dem Expertenwissen, das mit dem Aufschwung der
subjektiven Wertlehre und der Mikroökonomie einherging.
* Die Warenkunde
wurzelt in der Tradition der noch nicht naturvergessenen ökonomischen Theorien,
welche der Mikroökonomie vorausgingen. Sie steht deshalb
der Makroökonomie näher (und war im staatswirtschaftlichen Interesse
attraktiv). Warenkunde und Technologie folgten Anwendungen aus der
Naturgeschichte.
* Die Warenlehre
ist eine Weiterentwicklung aus der Warenkunde. Die Fortschritte der Warenlehre
beruhen auf dem Wandel der Naturgeschichte zur Biologie und Ökologie (dem trägt
die Bezeichnung des Gegenstands "Biologie-Ökologie-Warenlehre"
Rechnung). Die internationale Entwicklung weist in Richtung Bioökonomie (Siehe:
Journal of Bioeconomics, Hrsg.: International Society for Bioeconomics und die
Publikationen der European Association for Bioeconomic Studies).
* Warenwissenschaft
(und deren Didaktik als allgemeine Warenlehre)
ist ein Generalismus. Die Einheit des Wissens ("Consilience") setzt
die Überwindung der Spaltung des Weltbildes in Geistes- und Naturwissenschaften
voraus. Im Konzept der Ökologie ist die Verbindung möglich. Humanökologie
und Sozialökologie haben wegen des biokulturellen Zusammenhangs einander zu ergänzen
und sollten in warenwissenschaftlicher Orientierung zueinander komplementär
sein. Auch wenn die Warenwissenschaft mehr Erkenntnisse als Erträge
hervorbringt, hätte die Bildungspolitik guten Grund die Warenwissenschaft zu fördern.
Denn: die Abwendung von Natur und Kultur ist die Quelle der Armut
* Theorie der
Warenwissenschaft (allg. Systemtheorie der Ware)
betrifft die wissenschaftstheoretische Positionierung der Warenwissenschaft im
Kanon der Wissenschaften. Das Interesse an Erkenntnissen und nicht nur Erträgen
setzt die akademische Befreiung von ideologischen Zwängen voraus.
Anhang zur wissenschaftstheoretischen Positionierung:
THEORIE
- Ontologie
allgemein gültige Aussagen, z.B. Systemtheorie
WISSENSCHAFT
- Epistemologie
(Logos im Sinn qualitativer Erkenntnis, Verstehen, Einsicht, Wahrheit)
z.B.: Wissenschaft vom Lebendigen: Biologie ...Ökologie ...Technologie
LEHRE
- Methodologie
(Anwendungswissen, Können mit Betonung auf Machbarkeit bzw. Macht)
Methodik - z.B. Lehre vom Leben : Bio nik ...Tech
nik
Lehre vom Wirtschaften : Öko
nomik
Praxis - z.B. Lehre von den Lebensweisen : Bio
nomie
Lehre von den Wirtschaftsweisen : Öko
nomie
KUNDE - Semiotik
Zeichen- und Begriffsbildung für konkrete Erscheinungsformen
(Strukturen, Bezeichnungen, Faktenwissen)
Naturalien und Artefakte : Naturkunde, Warenkunde
Literatur:
Der vernetzte Charakter von Ware. 1. österreichisch-deutsches
Warenlehre-Symposion.- In: FORUM WARE 27 (1999) 1-4, S. 136-138
(Referent R. Kiridus-Göller)
|